
Kommentar:
Bei der Vorstellung des Projektes "Freizeithilfen vor Ort" im sozialpräventiven Netzwerk hörte unsere Mitarbeiterin Selda Yaman aufmerksam zu.
Hier ihr ganz persönliches Fazit der Veranstaltung:
Ich bin eine Türkin mit einem deutschen Pass und ich war auf einer Versammlung des „sozialpräventiven Netzwerkes“, wo das Projekt „Freizeithilfen vor Ort“ vorgestellt wurde.
Bei diesem Projekt geht es unter anderem darum, Migranten und Migrantinnen besser zu integrieren. In der Freizeit, außerhalb der bisherigen Institutionen. Ich frage mich, wer soll denn integriert werden? Das habe ich immer noch nicht verstanden.
Vorurteile? Empfindungen?
Ich habe den Eindruck, dass man unterstellt, die „türkische Frauen“ wäre faul, sie würden nichts lernen und ihren Kinder nichts beibringen.
Auch, wenn das die Minderheit so macht, sind es darum alle?
Wenn eine türkische Mutter, ihr Kind mit dem Buggy zum Kindergarten bringt, wird das von den Erzieherinnen beklagt. Es heißt, die Kinder würden zu sehr verwöhnt und zu kleinen Paschas erzogen. Aber wenn eine deutsche Mutter ihr Kind mit dem Auto bringt, dann ist das kein Thema!
Fürsorge: zu viel davon?
Ich koche für meine Kinder regelmäßig, mache ihnen Frühstück, ehe sie zur Schule gehen. Bin ich zu fürsorglich?
Das ist nun mal unsere Kultur, wir wurden so erzogen und es kann uns keiner nehmen!
Getto?
Wer hat denn den Ahlener SüdOsten zum Getto gemacht? Das waren nicht die Migranten, sondern die Deutschen, die sich „zu gut“ vorkamen und keinen türkischen Nachbarn haben wollten.
Es ist doch klar, dass man hier keinen Deutsch braucht, gibt es hier doch kaum noch Deutsche. Früher konnte meine Mutter deutsch, weil sie eine deutsche Nachbarin hatte, mit der sie sich unterhalten konnte. Die sind alle nach und nach weggezogen. Sogar mein deutscher Freund ist weg gezogen, damals verstand ich es nicht - jetzt weiß warum.
Geld?
Die Türkin „muss die Kinder überall hin schleppen“ und niemand denkt daran, ob sie auch das Geld hat, ihren Kindern alle kostenpflichtigen Freizeitaktivitäten zu ermöglichen.
Im Sommer sind die Frauen Fahrrad fahren, unternehmen viel mit den Kindern.
Teenager sind wie Teenager!
Ich habe zwei Kinder und beide spielen ein Instrument: Querflöte und Gitarre. Sie waren vier Jahre lang im Verein schwimmen, der Junge kann besser deutsch als türkisch.
Wenn sie eine Zeit lang die gleichen Interessen haben wie alle Kinder, dann machen sie es auch. Doch irgendwann haben sie auch keine Lust mehr, haben neue Interessen und hören auf, so sind nun mal alle! Teenager.
Märchen?
Und noch so ein Vorurteil: Zwangsverheiratungen gibt es nur so viel, dass man es mit den Fingern einer Hand zählen kann. Viele verwechseln „Türken“ mit „Türken“, es gibt drei verschiedene Volksgruppen, alle mit ihrer eigenen Kultur, mit ihren eigenen Sitten und Gebräuchen.
Gute Väter - schlechte Väter...
Wenn ein deutscher Vater seine Tochter schlägt, weil sie einen Türken als Freund hat oder seine Frau schlägt, wenn er betrunken ist, oder er seine eigene Tochter vergewaltigt? Wie viele verwahrloste Häuser gibt es in Deutschland, in denen Kinder wohnen. Davon wissen die Kritiker wohl nichts!
Unerzogene Kinder, aktive Eltern oder passive Eltern gibt es in allen Nationalitäten!
Meine Meinung nach ist es heute bei vielen zum Integieren zu spät! Eine Türkin oder eine deutsche Frau haben wirklich die gleichen Probleme - glaubt mir, ich kenne beide Parteien."
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Eine ganz persönliche Sicht der Dinge....
"Freizeithilfen vor Ort" wird gefördert vom Europäischen Integrationsfonds (EIF). mehr
Ansprechpartner vor Ort:
Stadtteilforum Ahlen Süd/Ost
Solmaz Uzuner und Jo. Ackermann,
Stadtteilbüro
Glückaufplatz 1, 59229 Ahlen
Tel.: 02382 / 70 21 49
Fax: 02382 / 70 20 10